Digitaler Nachlass

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Digitaler Nachlass: Rechtzeitig regeln

Der Tod eines geliebten Menschen ist für alle Hinterbliebenen schmerzhaft. Für Familie und Freunde bricht eine schwere Zeit an – mit möglicherweise ungewollten, aber teils geradezu pietätlosen Erscheinungen. Denn im Internet leben Verstorbene zunächst einmal weiter – mit Profilen in Sozialen Netzwerken, Onlinekonten oder E-Mail-Adressen. Etwa dann, wenn der Verstorbene in seinem Facebook-Profil digital aus dem Jenseits grüßt und dort anderen Nutzern als Freund vorgeschlagen wird. Oder wenn die letzte Kurznachricht des Verstorbenen bei Twitter von etwas völlig Belanglosem handelt.

Um sicherzugehen, dass die persönlichen Daten nicht in falsche Hände geraten, sollte der digitale Nachlass geregelt sein. Wer nach langer Krankheit stirbt, hat das womöglich noch geregelt. Der überwiegende Teil der Deutschen nimmt es mit seinen Hinterlassenschaften im Internet dagegen allerdings noch nicht so genau – im Gegenteil. So haben neun von zehn Internetnutzern (93 Prozent) den digitalen Nachlass für den Fall ihres Todes nicht geregelt, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag des IT-Verbands Bitkom ergeben hat.

Digitales Erbe: Keine gesetzlichen Regelungen

Gesetzliche Regelungen für den digitalen Nachlass gibt es noch nicht oder die Rechtslage ist umstritten. Internetnutzer sollten sich deshalb rechtzeitig selbst darum kümmern. So helfen sie nicht nur Hinterbliebenen bei der Verwaltung ihres digitalen Erbes, sondern können selbst bestimmen, was mit den teilweise sensiblen Daten nach ihrem Tod geschehen soll.

Rechtsanwalt Christian Solmecke erklärt in einem Video der Fachzeitschrift Chip anschaulich, wie Sie Ihr digitales Erbe gewissenhaft verwalten.


Was Internetnutzer für Ihren digitalen Nachlass beachten müssen

1. Vertrauensperson bestimmen

Legen Sie fest, wem Sie Ihren digitalen Nachlass anvertrauen wollen. Regeln Sie zum Beispiel in einem Testament, wer Zugriff auf Ihre Daten haben soll. Bedenken Sie dabei auch, dass diese Person möglicherweise Einsicht in sehr sensible persönliche Daten erhält. Eine testamentarische Regelung muss zudem den geltenden Anforderungen entsprechen. Demnach muss das Testament eigenhändig geschrieben und unterschrieben oder notariell beurkundet sein.

2. Konten und Passwörter auflisten

Um Erben den Zugriff auf Ihre Konten zu erleichtern, ist eine Auflistung sämtlicher Nutzerkonten hilfreich. Dazu sollten jeweils auch die Nutzernamen sowie die Passwörter notiert werden. Die sensiblen Zugangsdaten sollten Sie an einem sicheren Ort aufbewahren, etwa beim Notar oder in einem Bankschließfach. Vorsicht: Weil Passwörter regelmäßig geändert werden sollten, müssen Sie auch Ihre Liste stets aktualisieren. Eine persönliche Nachlass-Merkliste können Sie etwa auf den Seiten des Versicherers Ergo generieren und sich per Email zusenden lassen.

3. Anleitung für die Verwaltung

Eine Auflistung Ihrer Konten zu erstellen ist bereits sehr gut, reicht aber noch nicht ganz. Damit Ihre Vertrauensperson auch weiß, was Sie zu tun hat, erstellen Sie eine Anleitung für jedes Konto. So können Sie beispielsweise festlegen, dass Ihre E-Mails zwar gelöscht werden, Ihr Facebook-Account aber im Gedenkzustand weiterbestehen soll.

4. Passwörter speichern

Viele Online-Konten, viele Passwörter: Können Sie sich nicht alle Passwörter merken, ist ein Passwort-Manager hilfreich – auch schon zu Lebzeiten. Mit einem solchen Passwort-Manager speichern und verwalten Sie Passwörter an einem zentralen Ort. Um sie abzurufen, benötigen Sie ein von Ihnen festgelegtes Master-Passwort. Die Fachzeitschrift Chip gibt dazu einige Praxistipps und vergleicht verschiedene Passwort-Manager. Das Master-Passwort können Sie dann an Ihre Vertrauensperson weitergeben, damit diese nach Ihrem Tod in Ihrem Sinne handeln kann. Eine andere Möglichkeit ist es, einen  Teil des Master-Passwortes im Testament festzuhalten und den anderen Teil einer Vertrauensperson mitzuteilen. Ein sicheres Passwort können Sie bereits mit wenigen Handgriffen erstellen.

5. Private Daten ab und zu löschen

Auch Ihre Vertrauensperson soll möglicherweise nicht alle Ihre privaten Daten in die Hände bekommen. Auch wenn Ihre persönlichsten Daten nach dem Tod durch das postmortale Persönlichkeitsrecht geschützt sind, sollten Sie solche sensiblen Daten deshalb regelmäßig aus Ihren Konten entfernen. Ihre Angehörigen sind nach Ihrem Tod befugt, das postmortale Persönlichkeitsrecht bei Verletzung gerichtlich durchzusetzen.

Das gilt zum Beispiel grundsätzlich auch für die Verwendung von Fotos, auf denen der Verstorbene abgebildet ist. Hier besitzen die Erben für zehn Jahre die Berechtigung, für den Verstorbenen dessen „Recht am eigenen Bild“ geltend zu machen. Das Urheberrecht schützt sogar 70 Jahre über den Tod hinaus alle Werke mit einem Mindestmaß an schöpferischer Tiefe, etwa eine Malerei oder eine Fotografie des Verstorbenen.


Was Erben beim digitalen Nachlass beachten müssen

Ihren digitalen Nachlass haben nur wenige Menschen geregelt. Erben müssen sich dann auf Spurensuche begeben. Denn laufende Verträge gehen mit dem Tod des Nutzers auf sie über – und damit können Kosten entstehen.

1. Welche Konten hat der Verstorbene?

Mitunter hätte diese Frage nicht einmal der Verstorbene selbst beantworten können. Um herauszufinden, wo dieser überall angemeldet ist, hilft aber zum Beispiel der Austausch mit Freunden. Hilfreich kann auch der Blick ins Smartphone des Verstorbenen sein. Die Dienste, die er genutzt hat, hat er womöglich auch als App auf seinem Smartphone installiert.

Wichtige Hinweise liefert oft der E-Mail-Account. Hierbei ist unbedingt der gesetzliche Rahmen zu beachten, der u.a. durch das Fernmeldegeheimnis, im Volksmund auch „Briefgeheimnis“ genannt, vorgegeben ist. Die Anbieter sind gesetzlich dazu verpflichtet, dieses zu wahren und einer Verletzung durch Dritte, ggf. auch durch Angehörige, vorzubeugen.

2. Analyse des Computers

Einige Unternehmen haben sich darauf spezialisiert, den PC oder den Laptop von Verstorbenen zu untersuchen, um Daten zu analysieren und Konten auf Wunsch zu löschen. Die Verbraucherzentrale rät hiervon allerdings ab, da bei der Durchsuchung womöglich zu viele persönliche Daten an Unbefugte gelangen könnten. Die Vertrauenswürdigkeit der Unternehmen sei zudem kaum feststellbar.

3. Zugänge zu Konten

Einige Anbieter ermöglichen den Zugang zu den E-Mails des Verstorbenen auch ohne Passwort. Hinweise dazu finden Sie teilweise in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des jeweiligen Anbieters. Alternativ können Sie auch den Kundenservice kontaktieren.

Eine Telefonnummer oder eine E-Mail-Adresse finden Sie meistens unter dem Stichwort „Kontakt“ oder „Support“ auf der Seite des jeweiligen Anbieters. Viele Unternehmen verlangen aber einen Nachweis über den Tod des Nutzers, etwa eine Sterbeurkunde, einen Erbschein oder eine gerichtliche Verfügung.

4. Kündigung

Viele Mitgliedschaften – wie zum Beispiel beim Musikstreaming-Dienst Spotify, bei der Filmplattform Netflix oder bei Partnerbörsen – sind kostenpflichtig. Sie sollten schnellstmöglich gekündigt werden, da sie mit dem Tod des Nutzers auf die Erben übergehen. Auch Verträge mit Telekommunikationsanbietern müssen gekündigt werden. Achten Sie zudem darauf, ob der Verstorbene womöglich noch eine Reise geplant hat – und stornieren Sie diese.

5. Vor dem Löschen

Bei der Löschung von Konten sollten Sie mit Bedacht vorgehen. Laden Sie wichtige Daten wie Fotos, Nachrichten, Rechnungen oder Kundendaten vor dem Löschen herunter. Einige davon brauchen Sie womöglich bei der weiteren Nachlassverwaltung. Speziell in E-Mail-Konten finden sich eventuell Informationen darüber, bei welchen Anbietern der Verstorbene darüber hinaus angemeldet ist.

Für einige Dienste können die dort vorhandenen Daten wie zum Beispiel Musik, Filme, eBooks o.ä. nicht vom Erben übernommen werden. Es handelt sich dabei um nutzergebundene Lizenzvergaben an die Person des Verstorbenen, die laut den Allgemeinen Geschäftsbedingungen in der Regel nicht vererbt werden können.


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